Samstag, 23. Juni 2012

Promotion <> PhD

Um eins gleich von Anfang an klar zu stellen: Das Blog heißt zwar "PhD backstage", aber einen echten "PhD" vergeben nach wie vor die wenigsten Unis in Deutschland.
Nanu, ist PhD, also philosophiae doctor, nicht das gleiche wie in Deutschland z.B. der Dr. phil. (Doktor der Philosophie)? Mitnichten. 
Über die genauen Unterschiede werde ich mich nicht im Detail auslassen (dafür bin ich keine Spezialistin), aber ganz grob gesprochen ist ein PhD eine Art Studiengang, in der Promovierende nach dem Bachelor (z.B. in den USA) oder nach dem Master (z.B. in China, Brasilien) i.d.R. eine Aufnahmeprüfung absolvieren, eine Reihe von Kursen besuchen, häufig anschließend eine weitere Prüfung (eine Art "Qualifying") ablegen, um sich dann auf eine eigene Forschungsarbeit zu fokussieren und eine Doktorarbeit (sog. "thesis") oder mehrere Publikationen in Fachzeitschriften zu veröffentlichen. Durch diese Struktur gibt es Doktorand/innen-Kohorten, Jahrgänge, die gemeinsam das Studium (und die Arbeit) aufnehmen. Oft sind sie auch anders eingebunden (z.B. als Studenten immatrikuliert, tragen mit den üblichen Studienbeiträgen z.T. erheblich zum Etat der Einrichtung bei, haben eine Doktoran/innenvertretung etc.) und werden nicht von einer einzelnen Person, sondern von einer ganzen Kommission betreut.
In Deutschland wurde - vor der Bologna-Reform - die Promotion in der Regel nach Abschluss eines Diplom- oder Magisterstudienganges absolviert, gelegentlich auch nach dem Staatsexamen (auf den Fall der Medizin gehe ich einmal gesondert ein). Dabei ging man davon aus, dass die Person sich während des Studiums bereits ausreichend für die Durchführung der Forschungsarbeit qualifiziert hat und nur im Bedarfsfall ausgewählte Kurse oder Veranstaltungen besuchen sollte (bspw. zu einer bestimmten Forschungs- oder Messmethode). Auch weil die zuvor absolvierten Studiengänge in aller Regel sehr individuell beschritten wurden, war eine allgemeine Qualifizierung weder nötig noch praktikabel.
Anders also als in vielen anderen Ländern, war es hier eben nicht so, dass man sich "in eine Promotion einschreibt". Die Absprachen wurden viel individueller getroffen: Eine betreuende Person hat sich die Kandidatin/den Kandidaten angeschaut, Bildung, Lebenslauf, weitere Fähigkeiten etc. dabei berücksichtigt und dann entschieden, ob die/der Kandidat/in für eine Promotion geeignet erscheint und ggf. welche Lücken geschlossen werden müssen.Daraufhin hat sich die/der Promovierende (oft selbständig) das nötige Wissen angeeignet und mit der Forschungsarbeit losgelegt. Die Betreuungssituation war (und ist) dabei höchst unterschiedlich: von Promovierenden, die einmal wöchentlich mit der/dem Betreuer/in Rücksprache halten bis zu solchen, die die Betreuungsperson sehr selten (sowas wie einmal im Jahr) zu Gesicht bekommen. Ich stelle immer wieder fest, dass es schwierig ist, Absolvent/innen von anderen Ländern diese Unterschiede zu erklären, weil es ein komplett anderes Modell ist. 
Durch die Bologna-Reform passieren nun einige Dinge:
1. der Bildungsweg (während des Studiums) gleicht sich an. Die Studiengänge sind stark strukturiert und bieten nicht mehr so viel Zeit und Möglichkeiten für andere Themen. Natürlich gibt es weiterhin eine große Vielfalt an Studiengängen, aber die Absolvent/innen eines Studiengangs haben dann doch mehr oder weniger das gleiche gemacht.
2. die Internationalisierung nimmt zu. Häufig wird der erste Abschluss an einem, der zweite Abschluss in einem anderen und die Promotion in einem dritten Land erarbeitet.
3. der Ruf nach Vergleichbarkeit einerseits und Qualitätssicherung andererseits wird immer lauter.
Ich will die Bologna-Reform an dieser Stelle nicht bewerten, sondern festhalten, dass damit eine Reihe von Änderungen auftreten, an die wir uns erst noch anpassen müssen. 
Auch darüber geht es in diesem Blog.

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